Das ist aber nicht schulisch!

Wie oft habe ich diesen Satz von meinen Anleitenden auf Station gehört? Wie oft habe ich mir geschworen es besser zu machen? Unzählige Male. Und wie klappt das? Nunja, ich gebe mir Mühe. Aber manchesmal ist auch mir der Satz über die Lippen gerutscht. Wenn wenig Personal da war, viel zu tun, wenn der Schüler ewig braucht und ich keine Zeit zum aufpassen habe und es daher lieber „mal eben schnell“ selber mache.

Mit Anleitung hat das nicht viel zu tun. Mit Ausbildung auch nicht. Ich habe immer gern Schüler angeleitet. Aber vor einigen Wochen habe ich meiner Chefin mitgeteilt das ich bis auf weiteres nicht mehr bereit bin ein Beurteilungszeugniss für unsere Schüler auszufüllen , geschweige denn zu Unterschreiben.

Ich weiß nicht wie es in anderen Häusern aussieht, aber bei uns im Haus ist die praktische Ausbildung der Schüler ein Witz, um nicht zu sagen nicht existent.

Die Einsätze dauern in der Regel 8 Wochen, unterbrochen von Urlaub, Studientagen und Blockunterricht. Wenn ich Glück habe, habe ich vielleicht 3 -4 mal die selbe Schicht wie der mir zugewiesene Schüler. Was aber nicht bedeutet das ich dann auch mit ihm arbeite. Der Schüler wäscht den einen Patienten, ich einen anderen. Zusammen geht nicht. Würde zu lange dauern, denn ausser uns ist nur noch eine andere Kollegin im Dienst. Also schickt man den Schüler den „Kleinkram“ machen. Vitalzeichen messen, Betten, wenn er schon darf Heparine spritzen etc.

Wann ich das letzte mal mit einem Schüler zusammen einen Verbanswechsel gemacht oder einen BDK gelegt habe weiß ich nicht mehr.

Ich habe jeden Tag auf’s neue das Gefühl das die Schüler nur für eine einzige Sache bei uns sind. Und das ist nicht lernen sondern arbeiten.

Meine Kollegen beschweren sich oft über Schüler die „nicht fit“ sind, sprich die kaum in der Lage sind alleine Aufgaben zu übernehmen. Ich frage mich warum sich die Leute darüber wundern. Wenn wir keine Zeit für eine vernüftige Schüleranleitung haben, dann hatten die vorherigen Stationen die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht.

Ja, es gibt Praxianleitungen. Mit etwas Glück eine pro Einsatz. Ein Tag an dem der Schüler zusammen mit einem Praxisanleiter arbeitet. Dinge üben kann, Zeit hat. Aber mal ehrlich…. reichen ein paar Stunden Praxisanleitung alle 2 Monate um wirklich sicher zu werden in Tätigkeiten wie Verbandswechsel, BDK legen, s.c. und i.m. Injektionen……? Definitiv NEIN!

Was also tun? Nunja, wie wäre es mit einem besseren Stellenschlüssel in dem Schüler zusätzlich gezählt werden und nicht als normal Arbeitskraft? Wie wäre es mit besserer Schulung der Mitabeiter um den Anforderungen einer venünftigen Schüleranleitung gerecht zu werden? Tja. Das ganze würde Geld kosten. Und das haben wir bekanntlich nicht über.

Also werden sich auch weiterhin die Kollegen über die frisch examinierten neuen Kollegen wundern die von nichts eine Ahnung haben. Traurig. Sehr traurig.

7 Antworten auf “Das ist aber nicht schulisch!”

  1. Toller Blog und soviel Wahrheit, werde häufiger mal bei dir lesen. Ich war bis zur Geburt meines Sohnes Mentorin auf einer orthopädischen Station. Jetzt arbeite ich nur noch als ganz normale Schwester. Die Schüler werden bei uns immer mit einer Mentorin eingteilt und sie müssen viel leisten aber immer unter Aufsicht und Anleitung. Die Schüler sind meistens gerne bei uns, aber unser Personalschlüssel ist auch ganz gut und bei uns sind 4 Mentoren. Aber leider ist es nicht überall so. Aber eines weiß ich, ich würde nie wieder als Mentorin arbeiten, da ich nur 12 Tage im Monat arbeite und zu selten da bin.

  2. Was für pädagogisch wertvolle Tätigkeiten verrichten denn auf Deiner Station Medizinstudenten im Pflegepraktikum? Ich war 90% des Tages mit den Schülern/innen zusammen mit aufregenden Tätigkeiten wie Betten-Machen, Essen austeilen und ähnlichem beschäftigt. Hat mich auch enorm weitergebracht – meine designierten Patienten würden es zu schätzen wissen 😉

  3. Ein toller Blog. Ich hatte ja keine Ahnung, WIE dünn die Personaldecke in den Krankenhäusern mittlerweile ist. Wow, wie schafft ihr das, ohne dass euch graue Haare wachsen.

    Aber was bedeutet BDK? In meinem Beruf steht es für „Bund deutscher Kriminalbeamter“. Und bei euch?
    LG, Svenja

  4. Danke schön 😉
    Wie man das ohne graue Haare schafft? Färben, färben, färben 😉
    Nein mal ernsthaft. Manche schaffen es gerade nicht und bekommen Probleme …BurnOut und Co. . Und der Rest , naja irgenwie steht man es durch. Sind ja nicht immer schlechte Tage.

    Achja BDK ist bei uns ein „Blasendauerkatheter“ .

  5. Da gehts euch ja genauso wie bei uns!
    Studium? Nur Theorie pauken.
    Praxis? Soll man auf Station kriegen, in Uni-„Kursen“, wo man von gelangweilten Uniklinik-Assis rumgeführt wird, in Prakitka (Famulaturen) wo man blöd rumsteht und niemand einem etwas erklärt und schliesslich im PJ, also ein Jahr lang arbeiten für umme…. äh… für lau… äh… für ohne Kohle.

  6. Schon schlimm, wie es so auf den deutschen Krankenhausstationen so aussieht…

    Ich hab schon verschiedene Dinge erlebt: Stationen, auf denen so gut wie gar keine Schüleranleitung stattfand und Stationen, auf denen der Dienstplan von mir mit dem der Mentorin identisch war und ich unter Aufsicht so gut wie alles selbst machen durfte und auch musste.

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